„Geist und Gehirn – Lernwelten“ – Welchen Raum braucht der Geist? oder: Von der Realität zur E-reality

Zum zweiten Abend ihrer diesjährigen Veranstaltungsreihe „Geist und Gehirn – Die Evolution des Raumes“ hatten Stadtbibliothek Wolfsburg und I.P.I (International Partnership Initiative e.V.) gestern Abend ins Aaltohaus eingeladen. "Lernwelten": Petra Buntzoll, Welf Schröter,  Dr. Dirko Thomsen, Prof. Dr. Walther Zimmerli

Zum Thema des Abends „Lernwelten“ sprachen die Referenten Welf Schröter, Leiter des Forums Soziale Technikgestaltung aus Stuttgart und Professor Dr. Walther Zimmerli, Präsident der Brandenburgischen Technischen Universität in Cottbus und bis 2007 Gründungspräsident der AutoUni.

Begrüßt wurden die rund 60 Zuhörer von der Geschäftsbereichsleiterin Kultur Dr. Birgit Schneider-Bönninger, die darauf hinwies, dass das Thema des Abends „Lernwelten“ mit dem Aaltohaus als aktiven Lernort einen ganz besonderen Veranstaltungsrahmen gefunden habe. Die Einführung und Moderation des Abends übernahm in bewährter Weise wieder Dr. Dirko Thomsen von der Volkswagen AG.

In seinem Vortrag beschrieb Welf Schröter die Veränderungen in Arbeits- und Lernräumen, mit denen die Menschen heute umgehen müssen. Die bisherige und die virtuelle Arbeitswelt wachsen immer schneller zusammen, bestehende virtuelle Infrastrukturen gehen ineinander über. Neben der natürlichen Identität werde die virtuelle Identität in den Netzen bei der Arbeits- und Auftragsbeschaffung immer wichtiger.

"Lernwelten": Welf Schröter

Dies sei jedoch kein technisches Problem, sondern eine viel größere gesellschaftliche Herausforderung. „Denn wo in der virtuellen Welt entstehen dann noch die sozialen Bindekräfte, die die Menschen erst befähigt, selbstbewusst mit einer oder mehreren virtuellen Identitäten aufzutreten?“ Da der Betrieb als sozialer und verfasster Ort der Arbeit immer weniger Bedeutung habe – nur noch ungefähr 50 Prozent der Menschen befänden sich in solchen „normalen Arbeitsverhältnissen“ – käme in der Zukunft sozialen Treffpunkten und Orten der Wissensvermittlung wie Bibliotheken und Lernzentren eine wichtige identitätsstiftende Bedeutung zu.

Professor Walther Zimmerli beschäftigte sich ebenfalls mit der Identität der Menschen, indem er die Ausbildung von Identität auch in der Wissensgesellschaft als wichtigstes Ziel beschrieb. Die Menschen in der Wissensgesellschaft wüßten nicht mehr, allerdings nehme der Anteil von Wissen in den Arbeitsprozessen ständig zu.

"Lernwelten": Prof. Dr. Zimmerli

Bildung entstehe jenseits des Humboldtschen Bildungsideals, aber auch jenseits des „bloßen“ Surfens im Netz.

An einigen Beispielen von Bibliotheksbauten schilderte Zimmerli dann die sich verändernden Funktionen der Wissensarchitektur: traditionelle Bibliotheksbauten bezögen ihre Legitimation als „Kathedrale des Wissens“ aus der Vergangenheit als Bewahrer von Tradition und Wissen, zeitgemäße Lern- und Wissensarchitektur zeichne sich dadurch aus, dass sie Vorgänge und Prozesse ermögliche.

Uwe Nüstedt

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