„Fotografien und Arbeiterlyrik“: Michael Werner stellt Arbeiten in der Stadtbibliothek aus

Bis Ende Juni präsentiert die Stadtbibliothek im großen Schaufenster unter den Arkaden des Aaltohauses eine Ausstellung von Michael Werner. Der 46jährige VW-Arbeiter ist in seiner Freizeit ein passionierter Fotograf und Dichter. Ungewöhnlich sind die Motive seiner Fotographien wie auch seiner Gedichte, in denen er kontinuierlich Eindrücke aus dem Alltag seines Arbeitslebens widerspiegelt.

Werners Gedichte beschreiben Zustände. Zustände, die er lakonisch als „weniger geglückt“ bezeichnet, die sich der Mensch aber selbst geschaffen hat. „Zum Beispiel der Zustand, am Fließband Teil einer Maschinerie zu sein und sich den Gegebenheiten der Zeitvorgabe der Wiederholung anzupassen zu müssen“, erläutert Werner.

Michael Werner: Fotografien und Arbeiterlyrik in der Stadtbibliothek
Michael Werner: Fotografien und Arbeiterlyrik in der Stadtbibliothek

Über das Unglück der Monotonie der Arbeit vergisst er aber nie die andere Seite der Medaille: das Glück, einen Arbeitsplatz zu haben und die positiven menschlichen Erfahrungen, die das Arbeitsleben in der kollegialen Zusammenarbeit mit sich bringen kann. Und genau das macht den besonderen Reiz seiner Gedichte aus: Werner klagt nicht an, er resigniert auch nicht, sondern er nimmt hin – trotz, oder vielleicht gerade wegen des ewigen Widerspruchs zwischen Geldverdienen und der Erfüllung kreativer Ansprüche. Die große Lebenskunst des Hinnehmens meistert Werner mit leisem Humor und Ironie, die seine Gedichte wie ein roter Faden durchziehen.

Fast wie ein Gegengewicht dazu wirken seine Fotographien. In seinen Texten wirkt der Humor befreiend und versöhnend, beim Betrachten seiner Bilder möchte einem dagegen das Lachen manchmal im Halse stecken bleiben. Dem Abbild der nackten Realität wird durch die graphische Bearbeitung mit ihrer Reduzierung auf das Wesentliche und die Überzeichnung durch überscharfe Konturen und krasse Farbgegensätze noch zusätzliches Gewicht verliehen. Die Bilder faszinieren und verstören gleichzeitig.

Judith Slembeck, Musikbibliothek (Tel. 05361-28-2381)

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