Medientipp 1812 : Napoleons Feldzug in Russland von Adam Zamoyski

Ein wenig Interesse für Geschichte sollte der Leser von Adam Zamoyskis „1812“ zwar mitbringen, aber in jedem Fall ist dem Briten mit polnischen Wurzeln ein lesenswertes Werk über den Anfang vom Ende der napoleonischen Epoche geglückt.

Bei bis zu 39 Grad minus im Krieg gegen das Zarenreich - Napoleon Bonaparte
Bei bis zu 39 Grad minus im Krieg gegen das Zarenreich : Napoleon Bonaparte

Die Eroberung Indiens schien vielen schon zum greifen nah, und vielleicht hätte sich der später von Louis Geoffroy formulierte Wunsch ja bewahrheitet, dass Napoleon nicht 1821 auf St. Helena im verregneten Exil gestorben wäre sondern erst elf Jahre später als Herrscher vielleicht nicht der gesamten – selbstverständlich zum Katholizismus bekehrten Welt, so doch als Herrscher über ein gewaltiges Imperium. 

Doch es kam völlig anders, denn der Feldzug der Grande Armée gegen das Reich des Zaren Alexander im Jahr 1812 sollte in einem Desaster außergewöhnlichen Ausmaßes enden. Zwar gelang es dem modernen Menschenfänger Napoleon, die nahezu uneingeschränkte Bewunderung seiner Soldaten – egal welcher Nation (neben Franzosen auch Niederländer, Belgier Polen, Deutsche, Italiener, Kroaten)- bis zuletzt zu besitzen, doch der Kampf – weniger gegen feindliche Armeen als gegen Hunger, Krankheit, eine erbarmungslose Kälte und irreguläre Kosaken – brachte tausenden seiner Soldaten den Tod und die überlebenden waren in einem solchen Zustand, dass man selbst Napoleons „Tapfersten der Tapferen“ Marschall Ney nicht mehr erkannte als er endlich das vermeintlich rettende Ostpreußen erreichte. 

Lesenswert - Zamoyskis 1812 (© C.H.Beck-Verlag)
Lesenswert : Zamoyskis 1812 (© C.H.Beck-Verlag)

 

Zamoyskis Schilderung des Russlandfeldzuges legt großen Wert auf die Darstellungen einfacher Zeitzeugen, sie beschönigt nichts (auch nicht die Rolle Polens in Napoleons Plänen) und schildert den gesamten Feldzug anschaulich und packend, wobei bekannte „Highlights“ wie der Tilsiter Frieden und der Brand Moskaus jeweils nur eine von vielen spannenden Episoden des Buches darstellen. 

Das Buch ist sowohl in der Zentralbibliothek als auch in der Stadteilbibliothek Detmerode angeschafft worden und in der Geschichtsabteilung unter der Signatur Ell 2 Zamo zu finden.

RB

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