Für die Wahrheit – Sally Perel in Wolfsburg

Sally Perel, der Autor des Buches „Ich war Hitlerjunge Salomon“ sprach am Donnerstag – zum dritten Mal – vor beinahe zweihundert Schülern, Lehrern und Interessierten in der Schulbibliothek  der Heinrich-Nordhoff-Gesamtschule

Sally Perel in der Schulbibliothek der Heinrich-Nordhoff-Gesamtschule
Sally Perel in der Schulbibliothek der Heinrich-Nordhoff-Gesamtschule

Der 1925 in Peine geborene Überlebende des Holocaust lebt seit 1948 in Israel, wo er im selben Jahr am Unabhängigkeitskrieg teilnahm. Er besucht jedoch häufig Schulen in Deutschland, um als Zeitzeuge von seinen besonderen Erlebnissen zu berichten, zum kritischen Denken anzuregen und vor der erneuten Gefahr des Rassismus zu warnen.

Sally Perel mit Publikum in der Schulbibliothek der Heinrich-Nordhoff-Gesamtschule
Sally Perel mit Publikum in der Schulbibliothek der Heinrich-Nordhoff-Gesamtschule

Schon mit zehn Jahren lernte Perel die Diskriminierung durch die Nazis kennen, als er, obwohl in fast allen Fächern ein sehr guter Schüler, als Jude der Schule verwiesen wurde. Seine ursprünglich aus Russland stammende Familie emigrierte bereits 1935 vor den Nazis in das polnische Łódź. Kaum fühlte Perel sich dort heimisch, brach 1939 der Krieg aus. Bei Kriegsausbruch schickten ihn die Eltern fort, um ihn vor den Nazis zu retten. Ihre Abschiedesworte bekamen für ihn größte Bedeutung: Seine Mutter sagte, er solle leben; sein Vater riet ihm, niemals zu vergessen, wer er sei. Beide Eltern sollte er niemals wieder sehen. 1939 bis 1941 lebte er im zunächst sowjetisch besetzten Ostpolen, später geriet er in deutsche Kriegsgefangenschaft. Es gelang ihm, sich als ein Volksdeutscher namens „Joseph Perjel“ auszugeben und zunächst als Übersetzer für die Wehrmacht an der Ostfront, dann als Angehöriger der Hitlerjugend (HJ) zu überleben (Um zu leben, musste ich so handeln. Wenn die Wahrheit dich töten will, dann lüge). Bei einer Untersuchung wurde er nicht als Jude, sondern als ostbaltischer Arier eingestuft. Gegen Kriegsende besuchte er die Akademie für Jugendführung in Braunschweig an der Wolfenbütteler Straße (in deren Gebäude sich heute Kolleg und Abendschule befinden). Hier entstand ihm, wie er sagt, ein niemals wiedergutzumachender Schaden. Die »Gehirnüberschüttung« mit der Ideologie des Nationalsozialismus wurde er nie wieder los. Bis heute lebe er, schreibt Perel, zwei Leben – eine ewige Zerrissenheit und Auseinandersetzung sind ihm geblieben. Dazu äußerte er beispielsweise »Ich schreie begeistert: „Es lebe der Sieg“ und in dieser Minute werden in Auschwitz meine Glaubensbrüder vergast.« Während des Krieges besuchte er das Getto Łódź (Litzmannstadt) um nach seiner Familie zu suchen.

Sally Perel besuchte die Akademie für Jugendführung in Braunschweig
Sally Perel besuchte die Akademie für Jugendführung in Braunschweig

Perel, dem die Schüler konzentriert zuhörten, blieb nicht in der Vergangenheit. Er sprach davon, dass zwar am 8. Mai 1945 Hitler offiziell militärisch besiegt wurde, sein Geist aber weiterlebe, gegen ihn kämpft Perel an – besonders gegen »die Frechheit derjenigen, die den Holocaust als Lüge abtun«. Er rät allen Menschen, einmal im Leben nach Auschwitz zu reisen, als menschliche Pflicht. Als er nach dem Krieg die Schuhe der in Auschwitz ermordeten Kinder sah, schwor er sich, solange ihn seine eigenen Schuhe tragen, für die Wahrheit einzutreten. Er sagte, er wolle Impfen mit dem Tränen der in Auschwitz vergasten Kinder und mit den Tränen von Anne Frank. Im Krieg erlebte er, wie die Jugend zum Hass erzogen wurde und sagt doch: »Wer den Bereich des Hasses betritt, betritt zugleich den Bereich des Verbrechens – die Neonazis von heute haben den Hass perfekt übernommen«. Diesem muss man Menschenliebe (Nächstenliebe) entgegenstellen.

Schlangestehen für ein signiertes Buch von Sally Perel
Schlangestehen für ein signiertes Buch von Sally Perel

Auch mit seinen Kenntnissen der „neuen“ Medien konnte er bei den Jugendlichen punkten. So bedauerte er, dass Facebook ihm nicht erlaube, noch mehr Freundschaftsanfragen zu beantworten, wobei er sich über jede davon freue (»Es ist hier und jetzt bestätigt«) und empfahl nachdrücklich die Verfilmung von Hitlerjunge Salomon auf Youtube. Auch für Fragen der Schüler stand er zur Verfügung, er betonte dabei, nie die Grenze überschritten zu haben, jemanden zu erschießen. Besonders anrührend schilderte er auf Nachfrage das Schicksal seiner Schwester, die bei Danzig erschossen wurde.

Gegen Ende seines Besuches äußerte er seinen Wunsch, dass »hier in dieser schönen Bibliothek« sein Zeitzeugenbericht »tief und streng in euren jungen Seelen registriert wird« und mehr noch, zum Auftrag werde, denn da sie mit ihm nun einen der letzten Zeitzeugen gehört hätten, seien auch sie jetzt Zeitzeugen und müssten diese Wahrheit weitergeben bis in die letzte Generation.

Sally Perel signierte mit einem herzlichen Schalom
Sally Perel signierte mit einem herzlichen Schalom

Eine kleine Hoffnung können wir ihm sofort erfüllen, nämlich jene, dass sein Buch in der Bibliothek vorhanden ist. Ausleihbar ist es in der Zentralbibliothek (hier auch als Hörbuch), in der Kinderbibliothek, in den Schulbibliotheken Heinrich-Nordhoff-Gesamtschule, Fallersleben und Vorsfelde. Die Verfilmung besitzen außerdem Fahrbibliothek und Schulbibliothek Fallersleben.

Angaben zum Buch: Sally Perel: Ich war Hitlerjunge Salomon : er überlebte in der Uniform seiner Feinde ; ein erschütterndes Schicksal; Signatur Emr 5 Per

RB

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