„Berufe lebendig erzählen“

Gastbeitrag von Petra Piper-Freisem und Hans-Martin Barthold (Berufs- und Studienberater)

Die Not vieler Schüler trieb uns schon lange um. Tagtäglich erleben wir sie in unserem Job. Als Studien- und Berufsberater wissen wir, Informationen sind das eine, sie so aufzubereiten, dass man sie gerne und ganz nebenbei noch mit Erkenntnisgewinn liest, ist das andere. Die Datenbank BERUFENET hält zwar alle einschlägigen Informationen bereit, nur eben wissenschaftlich systematisch und damit wenig schülergerecht. Zeitungen, Radio und Fernsehen wiederum formulieren eingängig, aber zumeist ohne fachlichen Tiefgang.

Petra Piper-Freisem
Petra Piper-Freisem

Im letzten Jahr haben wir deshalb die Dinge selbst in die Hand genommen. Zusammen mit dem Wolfsburger Blatt, einer jungen Internetzeitung, geben wir die „Berufswelt“ heraus. Sie erscheint vierteljährlich und richtet sich an Schüler, Eltern, Lehrer sowie andere Multiplikatoren. Und auch manche Großeltern schauen gerne in die „Berufswelt“. Neben Berichten zu aktuellen Themen über Ausbildung, Studium und Karriere gibt es Berufsreportagen, Unternehmensporträts, Nachrichten, Terminhinweise und vieles andere mehr. Alles mit Bezug auf unsere Region, dennoch ohne provinzielle Scheuklappen.

Orientierungslos + schlecht informiert = erfolglos

Ja, wir wollen Schülern zu tragfähigen Berufsentscheidungen und mehr Bewerbungserfolg verhelfen. Denn manchmal treffen die Klagen der Unternehmen tatsächlich ohne Einschränkungen zu. Schulabgänger sind nicht selten wirklich schlecht informiert. Mit großer Empathie bewerben sie sich für Berufe, von denen sie allenfalls oberflächliche Kenntnisse besitzen. Und auch wenn diese Kritik nicht zum Generalverdacht gegenüber einer ganzen Generation an Lehrstellenbewerbern taugt, eine erfolgreiche Präsentation im Wettbewerb um den begehrten Ausbildungsvertrag sieht anders aus.

Kaum besser die Situation bei denen, die sich zum Studium entschließen. Auch sie entscheiden sich oft genug für ein Studienfach, von dessen Inhalten, Anforderungen und beruflicher Ausrichtung sie nur rudimentäre Vorstellungen besitzen. Die hohe Zahl der Studienabbrüche, auch von Studenten mit besten Abiturnoten, wirft ein grelles Licht auf diese Fehlentscheidungen.

Für uns ist all das Alltag. Der undifferenzierten Kritik von Politik, Unternehmen und Berufsverbänden, die einseitig vor allem auf die hohen betriebs- und volkswirtschaftlichen Kosten verweisen, mögen wir uns gleichwohl nicht anschließen. Denn die Berufswelt ist für Schüler inzwischen sehr unübersichtlich geworden. Dazu sorgen Ganztagsschulen, das Abitur bereits nach zwölf Schuljahren mit nicht selten 36 Unterrichtsstunden pro Woche und ein beständig steigender Leistungsdruck dafür, dass Schülern heute nur wenig Raum und Muße bleiben, über die Zeit nach Schule und Abitur sowie die eigene berufliche Zukunft in Ruhe, mehr noch mit dem erforderlichen Tiefgang nachzudenken.

Berufe unterhaltend erklären

Eine Entschuldigung, die Hände in den Schoß zu legen und die Entscheidung dem Zufall, Eltern oder den Berufsberatern zu überlassen, ist das gleichwohl nicht. Schließlich hat auch die Informationsdichte über Ausbildungsberufe und Studienangebote mittlerweile ein hohes Niveau erreicht. Kaum ein Job, über den es in der Datenbank BERUFENET nicht eine umfangreiche Beschreibung von Tätigkeitsinhalten, Zugangsvoraussetzungen, Verdienst- und Weiterbildungsmöglichkeiten gäbe.

Hans-Martin Barthold
Hans-Martin Barthold

Wer die Informationen über Berufe also erlebnisgerecht, anschaulich und spannend, nichts desto weniger zugleich seriös aufbereitet sucht, der schaue einfach in die neueste Ausgabe der „Berufswelt“. Dieses Mal waren wir Eventmanagern, einem Richter sowie Kommunikationsdesignern auf der Spur, gibt es eine Schülerbericht über den Hochschulinformationstag der Uni Osnabrück, eine Reportage über das Niedersachsen-Technikum, dazu Unternehmensporträts von New Yorker, Schnellecke Logistics und vieles andere mehr. Das Reinschauen lohnt. Alles zu finden unter: www.wolfsburgerblatt.de/berufswelt.

Petra Piper-Freisem
Hans-Martin Barthold

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