Medientipp: Persepolis (eine iranische Jugend als Graphic Novel und Film)

Der Name ist Programm: Persepolis, die antike persische Hauptstadt, ist „Namenspate“ von Marjane Satrapis autobiografisch gefärbter Graphic Novel. Die Themen sind eine Kindheit und Jugend im Iran und das Exil während Revolution und Krieg. Auch ohne Vorkenntnisse kann man der Handlung gut folgen und dabei etwas über die Kultur des Iran sowie die Folgen des Krieges und der Diktatur für die Bevölkerung lernen.

Weg mit dem Schah, weg mit dem Scha-haa schreit – durchaus begeisterungsfähig – die zehnjährige (im Film achtjährige) Marji, als 1979 der letzte iranische Monarch Mohammad Reza Pahlavi gestürzt wird. Sie ist allerdings doch erstaunt, als in der Schule die Lehrerin die Schüler auffordert, das Schahbild aus den Schulbücher zu reißen, wurde früher nicht erklärt, der Kaiser wäre von Gott auserwählt? – Solche Fragen des Mädchens führen dazu, dass es (und der Leser) von seiner Familie in die komplexe Geschichte ihres Landes eingeführt wird.

Das Schahbild wurde aus den Schulbüchern gerissen... (Symbolbild unter Verwendung einer Aufnahme aus Wikimedia Commons
Das Schahbild wurde aus den Schulbüchern gerissen… (Symbolbild unter Verwendung einer Aufnahme aus Wikimedia Commons)

Das die neue staatliche Bevormundung nicht beim Kopftuch endet, lernt die Liebhaberin von Punk und Jeans schneller als ihr lieb ist. Die unter dem Schah bereits verfolgten Kommunisten werden unter dem neuen Regime rasch von Verbündeten zu Feinden, unter den zahlreichen Todesopfern dieser Verfolgung befindet sich auch Marjas Onkel. Im Jahr nach der Revolution beginnt der achtjährige Irak-Iran-Krieg. Um sie vor diesem Krieg zu schützen, schicken ihre Eltern sie 1984 mit 14 Jahren nach Österreich.

Im zweiten Band wird über ihr vierjähriges Exil in Wien berichtet. Hier sammelt sie Erfahrungen mit kulturellen Unterschieden, lernt Drogen und Fremdenfeindlichkeit kennen. Trotz Freunden fühlt sie sich jedoch isoliert. Spätestens mit der Obdachlosigkeit wird ihre Rückkehr in den Iran unumgänglich. Zurück in Teheran belastet es sie, nicht über ihre leidvollen Erfahrungen im Ausland sprechen zu können, weil daheim der Krieg für noch größeres Leid gesorgt hat. Von den besonders gravierenden Menschenrechtsverletzungen in der Endphase des Krieges erfährt sie erst rückblickend durch ihren Vater. Nach einer kurzen unglücklichen Ehe mit 21 Jahren bewirken die neuerlichen Erfahrungen mit der Diktatur schließlich ihre endgültige Auswanderung nach Europa. Hier wird Satrapis erfolgreiche Kinderbuchautorin, die beschließt als Beitrag zum Verständnis des Iran einen Comic zu schreiben.

1979 war die islamische Revolution, der Krieg ging von 1980 - 88
1979 war die islamische Revolution, der Krieg ging von 1980 – 88

Satrapis zweibändige Graphic Novel ist in der Kinderbibliothek (Magazin) vorhanden, die Animationsverfilmung in der Zentralbibliothek.

Satrapis zweiter Film Huhn mit Pflaumen ist ebenfalls im Bestand, außerdem ihr Kinderbuch Marie und die Nachtmonster (unter der Signatur 1.1 Sat in der Kinderbibliothek und der Stadtteilbibliothek Fallersleben).

Dem Schah und seiner Schwester begegnet man ebenfalls in der für die Zentralbibliothek neuerworbenen Graphic Novel „Die besten Feinde“, in der das historische Verhältnis der Vereinigten Staaten und des Nahen Ostens aufgelockert geschildert wird.

RB

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