Poetryliteratur der Stadtbibliothek

„Potenzial unerwünschten Programms erkannt“. Durchaus treffend scheint dieser Satz, der vor einiger Zeit beim Braunschweiger Dead or Alive-Slam unfreiwillig die Siegerehrung untermalte, die Empfindungen einiger Poetry-Slam-Fans wiederzuspiegeln. Denn in der Tat gab (und gibt) es Stimmen, die dieses  Literaturformat als „unerwünscht“ beziehungsweise nicht „ernsthaft“ genug verkannten. Das Potenzial aber von Poetry Slam ist in der Tat inzwischen weitgehend anerkannt und vor allem beeindruckend. Denn dieser moderne Dichterwettstreit zeigt besonders deutlich, dass bei attraktiver Vermittlung durchaus viele (grade auch junge) Menschen sich für eine Kultur des gesprochen Wortes interessieren und begeistern können. 

Dichterwettstreite gibt es seit gut 2500 Jahren (im Bild Homer)
Dichterwettstreite gibt es seit gut 2500 Jahren (im Bild Homer)

 Die Stadtbibliothek Wolfsburg als ein Ort des geschrieben und gesprochenen Wortes war nicht nur mehrfach Schauplatz ausverkaufter Poetry Slams, einer Spoken-Word-Gala und eines Poetry-Slam-Workshops (ein weiterer Slam ist für demnächst geplant) sondern besitzt auch einiges an Literatur aus diesem Bereich.

Flyer von einem der Wolfsburger Poetry Slams (Abgebildet ist Lasse Sanström, gestaltet von Pottzblitz)
Flyer von einem der Wolfsburger Poetry Slams (Abgebildet ist Lasse Sanström, gestaltet von Pottzblitz)

Zu den in Wolfsburg vorhandenen Titeln zählen beispielsweise:

Vom ersten Slamer Deutschlands, dem legendären Bastian („Bas“) Böttcher ein gutes Jahrzehnt nach dem ersten Poetry Slam in Deutschland veröffentlicht: Poetry-Slam-Expedition : ein Text-, Hör- und Filmbuch

Eine Auswahl lesenswerter deutscher Texte für die entsprechenden Jahre bietet: Poetry Slam 2004/2005

Gute Autoren nicht zu suchen sondern sie zu finden ist ein Grundsatz des Helmstedter Blaulichtverlages, aus dessen Repertoire die Stadtbibliothek unter anderem die Titel „Etwas ist faul im Staate : Poetry Slam- und Lesebühnentexte zur Lage der Nation“ und den Debütroman von Dominik Bartels Black Taxi“ über den Nordirlandkonflikt angeschafft hat.

Schon durch die liebevoll gestalteten Einbände bestechen Nummer 8 (2011) und 9 (2012) des seit 2004 mindestens einmal jährlich erscheinenden „The punchliner“, in dem verschiedenartige Slam und Lesebühnen-Texte versammelt sind.

Siegerehrung beim Poetry Slam in der Stadtbibliothek (2012)
Siegerehrung beim Poetry Slam in der Stadtbibliothek (2012)

 Beinahe schon ein moderner Klassiker sind „Die Känguru-Chroniken“ von Marc-Uwe Kling. Das besagte Känguru – ebenso kommunistisch wie erwerbslos – hat sich relativ plötzlich bei Marc-Uwe einquartiert und führt nun mit ihm tiefsinnige Gespräche über Alter-Stippenzieher-Gott und die (abgrundtief böse) Welt. Wer wissen möchte, wer hier das letzte Wort behält (und die Axel-Springer- Gedenkkapelle in Brand setzte), sollte nicht schummeln, sondern bis zur letzten Seite lesen.

Kritisch, kämpferisch, kommunistisch - Kling´s Känguru
Kritisch, kämpferisch, kommunistisch – Kling´s Känguru

Nach eigener Aussage eher brachial als brav beziehungsweise eher laut als leise ist Der David ist dem Goliath sein Tod in dem man 26 Poetry-Slam-Texte von Torsten Sträter nachlesen kann.

Der Poety Slamer und Netzliterat Frank Klötgen legt mit Mehr Kacheln! : 50 Gedichte ; „Eigentlich sind es ja 62 Gedichte“ eine Auswahl nicht nur seiner Blog und Slamgedichte sondern auch seiner frühen Songtexte und Auftragstexte vor. Ein Stichwortverzeichnis für Menschen (Von Achim über D’Artagnan, Hölderlin und Merkel bis zu Wedekind), Tiere, Pflanzen und Equipment ermöglicht, einen bestimmten Text schnell wieder zu finden.

Vincent Janisch und Uwe Nüstedt blättern schon einmal in einem Teil der Poetry-Literatur
Vincent Janisch und Uwe Nüstedt blättern schon einmal in einem Teil der Poetry-Literatur

Die DVD Dichter und Kämpfer – Das Leben als Poetryslamer in Deutschland bietet einen besonders sehenswerten Einblick in die Werke und Auftritte der erfolgreichsten deutschen Slamer.

 Auch für die Unterrichtsvermittlung gibt es Angebote. So bietet etwa das Buch „Poetry Slam im Deutschunterricht“ Anregungen zur Durchführung von Slam Poetry mit Grundschulkindern (kurze Texte schreiben und vortragen). Insbesondere die Förderung von Schreiben, Sprechen und Zuhören wird hier betont. Außerdem werden Deutsche und amerikanische Filmdokumentationen vorgestellt, sowie für Unterricht Poetry Clips. Gerade auch die Einbindung von Kindern mit Migationshintergrund spielt dabei eine Rolle.

Weitere Medien mit dem Interessenkreis „Poetry Slam“ sind vorhanden und im OPAC recherchierbar.

RB

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