In jedem Ende liegt ein neuer Anfang

Nun nach über 4 Jahren ist es so weit. Ich habe so eben die letzte Seite einer meiner Lieblingsbuchreihen umgeblättert. Die Rede ist hierbei von „Lockwood & Co.“, geschrieben von Jonathan Stroud, der vielen als Autor der Bartimäus-Tetralogie bekannt sein dürfte.

Im Gegensatz zum Ende der Bartimäus-Reihe, das ich nicht wirklich ganz zufriedenstellend gelöst fand, bin ich nun zum einen froh zu wissen, wie es denen mir inzwischen liebgewonnenen Protagonisten gelungen ist, ihren allerletzten großen Auftrag zu erfüllen. Auf der anderen Seite habe ich das Buch mit einem tiefen, der Wendeltreppe aus Band 1, Konkurrenz machenden Seufzen geschlossen. Wie gern würde ich noch mehr lesen und erfahren, wie es mit Lockwood & Co. weitergeht.

Doch wer sind „Lockwood & Co.“ und was treiben sie tagtäglich oder besser gefragt des Nächtens? Seit nun mehr 50 Jahren besteht das sogenannte „Problem“. Ganz Großbritannien befindet sich in den Fängen einer Geisterepidemie. Das Fatale daran ist, dass es Erwachsenen nicht möglich ist, die übernatürlichen Erscheinungen zu hören, geschweige denn zu sehen. Von daher müssen diese sich bei der Bekämpfung auf die, bei diversen Geisteragenturen, angestellten Kinder und Jugendlichen verlassen. Denn einige von ihnen verfügen über angeborene Gaben. MedientippBrittaBorchertLockwood

Anders als bei den anderen Agenturen leitet kein Erwachsener die Geschicke der kleinsten Agentur Londons „Lockwood & Co.“, deren Haupt- und zugleich Wohnsitz die Portland Row 35 ist. Dabei handelt es sich um das Elternhaus des Leiters Anthony, meist nur beim Nachnamen Lockwood genannt. Er ist ein charmanter, stets elegant gekleideter und genialer, was private Angelegenheiten betrifft allerdings sehr verschlossener, Anführer.

Dessen Stellvertreter George Cubbins ist dahingegen ein wenig ungepflegter und etwas pummeliger Zeitgenosse. Doch was ihm vielleicht körperlich fehlt, macht er mit seinem scharfen Verstand wett. Er ist der Rechercheur des Teams und verbringt viele Stunden in Archiven und Bibliotheken, um im Vorfeld der Aufträge wichtige Informationen für die Erledigung dieser zu sammeln. Zu seinen Vorlieben gehören Kekse und Donuts und die Erforschung der Hintergründe des „Problems“.

Die dritte im Bunde ist das neueste Mitglied Lucy Carlyle. Sie ist stets in Leggins und Rock gekleidet und besitzt eine ungewöhnlich ausgeprägte Gabe des Hörens. Lucy stellt im Verlauf fest, dass sie Geister der höheren Klasse verstehen und mit ihnen sprechen kann. Dies bringt schließlich ungeahnte Folgen mit sich, da sie fortan vermehrt bei den Aufträgen Kontakt zu den Erscheinungen aufnehmen möchte.

Priorität bei den Aufträgen hat das Auffinden der Quelle der Erscheinung, denn ist diese einmal verplombt, verschwindet die Manifestation. Zu der Ausrüstung eines jeden Agenten gehören neben einem Degen, Leuchtbomben, Salz, Eisenketten zum Ziehen von Bannkreisen und – man glaubt es kaum – Tee in Beuteln.

Hierzu ein Zitat von Lucy aus Band 1, der gebunden Ausgabe, auf Seite 22:

Aber Tee – schwarz und in einem Beutel, vorzugsweise von Piktin Brothers in der Bond Street – ist vielleicht die einfachste und zugleich wirkungsvollste Zutat für einen erfolgreichen Einsatz. Natürlich sind Teebeutel nicht auf die gleiche Weise lebensrettend wie eine Degenspitze oder ein Schutzkreis. Sie schrecken den Gegner auch nicht ab wie eine auflodernde Magnesiumflamme. Aber Teebeutel sorgen für etwas, das mindestens genauso lebenswichtig ist: nämlich, dass man bei Verstand bleibt. In einem heimgesuchten Haus herumzusitzen und zu warten, ist nicht gerade lustig. Die Dunkelheit umfängt einen wie ein schweres Tuch, die Stille rauscht in den Ohren, und wenn man sich nicht zusammenreißt, sieht und hört man nach einer Weile Dinge, die gar nicht da sind.“

„Lockwood & Co.“ müssen allerdings nicht nur gegen Geister sondern auch gegen die immer größer werdende Konkurrenz ankämpfen, um finanziell bestehen zu können. Denn der Einfluss der ältesten Agentur „Fittes“ wächst unaufhörlich und immer neue Vorschriften erschweren die Arbeit für die kleiner fungierenden Agenturen. Zudem nicht sehr förderlich ist es, dass die Mitglieder von „Lockwood & Co.“ Stück für Stück einen großen und ungeheuerlichen Geheimnis auf die Schliche kommen. Um dieses zu enthüllen riskieren Lucy, Lockwood und George mehr als einmal Kopf und Kragen …

Fazit: Bei „Lockwood & Co.“ handelt sich um eine fantastische, spannend und erfrischend kurzweilig geschriebene Jugendbuchreihe, welche mal zur Abwechslung nicht Zauberei, Vampire oder derlei bereits Bekanntes behandelt. Die Bücher sind aus Sicht von Lucy geschrieben und es empfiehlt sich die Bücher der Reihenfolge nach zu verschlingen. Das gute und zugleich eigentlich traurige ist, dass das lange Warten auf den jeweils folgenden Band nun ein Ende hat. Bleibt zu hoffen, dass an den im Internet kursierenden Informationen, dass die Buchreihe als Serie verfilmt werden soll, etwas dran ist. J

Nachtrag: So eben habe ich entdeckt, dass es eine 44-seitige englischsprachige Kurzgeschichte namens „Lockwood & Co. – The Dagger in the Desk“ gibt, welche lediglich als E-Book gegen 99 Cent erhältlich ist.

Reihenfolge der erscheinenden Bände:

 

Lockwood & Co. – Die Seufzende Wendeltreppe

Lockwood & Co. – Der Wispernde Schädel

Lockwood & Co. – Die Raunende Maske

Lockwood & Co. – Das Flammende Phantom

Lockwood & Co. – Das Grauenvolle Grab

 

BB

 

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